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Alle Geschichten fangen mit dem
gleichen Satz an. Viele Geschichten bilden jedoch in
der Tat eine Ausnahme, während die besonders schönen
Geschichten ähnlich beginnen. In dieser Geschichte
fängt alles allerdings ganz anders an, denn wann
beginnt schon mal etwas mit einer Krähe, die am
Waldrand aufwacht und nicht mehr weiß wie sie dort
hingekommen ist?
Die Krähe hatte Kopfweh. Die Sonne
schien hart auf ihr zerknittertes Auge und
verstärkte den Schmerz dadurch noch. Es sah nach
Absicht aus, dachte sich die Krähe insgeheim und
krächzte etwas angestrengt, während sie sich
aufrappelte. Sie lag an einem albernen Waldrand nahe
einer der schönsten Autobahnabfahrten Deutschlands
und wusste nicht wie sie dort hingekommen war. Es
gibt wenig deprimierendere Dinge als eine
orientierungslose Krähe die am Waldrand hockt. Der
mittlere Vogel schleppte sich über das Feld, stärkte
sich mit 2-4 Würmern und streckte sich langsam aber
sicher die Federn.
Was ist mir nur passiert, dachte er. Was
mache ich hier? Am Horizont erspähte er ein paar
Kollegen, die eine Schar Möven hänselten. In
Anbetracht der Tatsache das Krähen zwar sehr
intelligent und freundlich sind, haben viele auf der
anderen Seite einen ziemlichen Dachschaden und
lungern nur in der Gegend rum und pöbeln.
Die kleine Krähe wollte das nicht. Ob sie das
früher mal gewollt hatte, keine Ahnung. Schließlich
war sie auf den Kopf gefallen. Und das nicht zu
knapp. Also erbot sie sich eine kurzfristige
Startzeit und erhob sich schon bald in die Lüfte um
weit weg zu fliegen. Weit weg von hier. Wo immer das
war.
Auf ihrer Reiseflughöhe angekommen,
erblickte sie jedoch sogleich einen kleinen,
türkisen Punkt am Boden der ihre Aufmerksamkeit
erforderte. Inmitten einer Betonwüste und
ungehaltenen, sehr schlecht gelaunten verschiedenen
Tieren stand ein türkis scheinendes Wesen das der
kleinen Krähe in den Augen wehtat, diesmal aber
nicht wegen der Kopfschmerzen, sondern weil
irgendwas an ihrem kleinen Herzen zog und ziepte,
ohne das sie ganauer wusste was ihr geschah. Was
soll das? Dachte die Krähe? Was soll das? Was ist
das? Nun ja, auch schwarze Vögel können sich gegen
gewisse physikalische Gewissheiten nicht wehren und
so stürzte sich der mutige Vogel hinab auf den
türkisen Punkt der immer rosaner wurde,
verspekulierte sich mit dem Bremsen und knallte dem
Wesen gar nicht so freundlich auf den Hinterkopf.
„AUA!“ sagte das türkise Wesen. „Ey!?““ „Entschuldigung“,
haspelte die Krähe völlig außer Atem, während sie
ihre Federknochen ordnete. „Ich habe mich in der
Geschwindigkeit vertan. Aber. Aber irgendwie musste
ich hier landen, bei dir. Ich wusste lange nicht
mehr wohin ich wollte und plötzlich sah ich dich!
Wer bist du eigentlich?“
Das türkise Wesen schaute unverwandt aus der
Wäsche und rieb sich den Kopf. „Ich heisse Jenny und
ich bin hier der Elefant.“ Sagte Jenny. „Und naja,
macht nix. Ich habe ja einen großen Kopf.“ Die
kleine Krähe schaute skeptisch. „Äh, achso. Ich
hatte mir Elefanten eigentlich anders vorgestellt.
Bist du sicher das du einer bist?“ „Natürlich!“ rief
Jenny. „Ich weiß doch wohl wer oder was ich bin!“.
Damit war diese spezielle Diskussion auch schon
beendet und Jenny, der rosane Elefant mit komischem
türkisen Pullover rannte weg ehe sich die kleine
Krähe die Richtung merken konnte.
Die gar nicht so kleine Krähe
blieb einigermaßen konsterniert zurück. Auf der
anderen Seite lungerte sie halt in den nächsten
Tagen wieder auf den Feldern herum und aß ab und an
kleine harmlose Meisen. Das war auch nicht schlecht.
Aber natürlich dachte sie an den seltsamen Elefanten.
Und eines Tages, sie traute ihren
Augen kaum, sah sie ihn an einem kleinen Teich
sitzen. „Hallo kleiner Elefant!“ rief der
vergleichsweise mittelgroße schwarze Vogel, „da bist
du ja wieder, ich hatte dich vermisst!“ Jenny, der
inwzischen durchaus leicht unglaubwürdige Elefant
schaute auf. „Ich bin doch kein Elefant! Wie kommst
du denn da drauf?!? Ich bin ein Hase! Das sieht man
doch! Aber irgendwie habe ich auch an dich gedacht.“
Die Krähe schwieg. Ein Hase, ein Hase….! Das
erklärte einiges. Er mochte Hasen. Zum Abendessen.
Aber einen rosanen Hasen mit türkisem Pullover hatte
sie noch nie gesehen. „Äh, ja. Bist du dir da sicher,
das du ein Hase bist? Ich meine, du bist so rosa und
außerdem – dieser Pullover! Den habe ich doch schon
irgendwo mal gesehen….“ Fragte sie vorsichtig mal
nach. „EY! Ich bin ein Hase, das sieht man doch!“
Und hoppelte im Zick Zack davon. Die Krähe setzte
sich ins Gras und schaute Jenny hinterher. „Meine
Fresse“, dachte sie. Elefanten, Hasen, Jennys – der
schwarze Vogel zweifelte an seinem Verstand. „Ach,
und wenn sie ein Hasenelefant ist, was solls“ rief
er. Und wenn ich den extra erfinden muß, dann eben
so.
Das nächste Mal als er Jenny den
Hasenelefanten in der Ferne vorbeihoppeln sah,
setzte er sich von hinten im Flug total spezial
elegant auf ihre Schulter und schrie ihr ins Ohr:
„Jenny, lauf nicht immer weg! Auch wenn du ein
Hasenelefant bist – und ich eine komische Krähe!
Warte doch mal!“
Jenny, der rosane Hasenelefant,
hielt inne und nahm die Krähe auf die Hand. Sie
schaute sie an. „Ich bin doch kein Hase!“ sagte sie.
„Ich bin Jenny und ich bin weder Hase, noch Elefant
– ich bin ein Mensch. Und du bist eine Krähe! Ich
meine, warum laufe ich wohl immer hier rum? Ich mag
dich doch auch, aber hast du nicht gehört was ich
gesagt habe? Ich bin Jenny und du eine Krähe!“ Die
Krähe schaute etwas verdattert. „Äh… aber…“
stammelte sie. Da gab Jenny der Krähe einen kleinen
Kuß und lief weiter.
Die Krähe indes zog sich ihre Hose
an und ging nach Hause um Jenny anzurufen, denn
irgendwie gabs da wohl ein Mißverständnis. Denn eine
Krähe? Natürlich war sie keine Krähe!
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