| |
Schenk mir ein Schaf,
sagte eines Tages meine liebe Freundin Anne zu mir,
und ich dachte ich hätte mich verhört. Was für ein
bescheuerter Wunsch! Woher sollte ich wohl ein Schaf
bekommen? Und wo, bitte schön, sollte das denn dann
wohnen? Ich wüßte nicht, das Anne kürzlich eine Farm
gebaut hätte, oder in Neuseeland wohnte. So was sagt
man nicht laut, dachte ich, denn was sollen die
Leute denn denken, wenn sie hören das man sich ein
Schaf wünscht? Ich meine, mir kann man es ja sagen,
aber selbst ich mache mir ernsthafte Gedanken um den
Geisteszustand meiner Freundin. Ein Schaf!?!
Vielleicht hatte ich mich ja verhört – „schenk mir
Schlaf“, „Schenk mir was Scharf (es)“?.
Zweideutigkeiten sind ihre Sache nicht – nein, es
war eindeutig. Anne will ein Schaf. Von mir!
Wahrscheinlich soll ich ihr auch noch einen Stall
dazu bauen und es scheren und ihr einen Pullover
stricken. Hat man für so etwas Freunde? Ich weiß es
nicht. Ich gehe nicht zu Hajo und sage gradheraus er
solle mir gefälligst einen Blaufußtölpel schenken.
Solche Dinge, oder überhaupt Dinge, zu verlangen,
erfordert eine bestimmte Schmerzfreiheit welche die
erfolgreichen Leute allesamt besitzen. Ich besitze
sie nicht, im Gegenteil, ich habe minus 1000 dieser
Eigenschaft. Insofern, so bescheuert der Wunsch auch
sein mag, werde ich natürlich meiner Freundin Anne
ein Schaf beschaffen. Und zwar ein besonders
schönes. Ich Vollidiot.
Mal mir ein Schaf. Das
kenne ich! Einfach! Zack, Schaf gemalt. Hier bitte,
bums! Aus. Schenk mir ein Schaf? Wie stell ich`s nur
an? Nun, nach einigen Tagen des nervösen Hin- und
Herlaufens und vielen Tassen negerschwarzen Kaffees
setzte ich mich abrupt und mit einem freudigen
Gesichtsausdruck an meinen Schreibtisch und war
immer noch keinen Schritt weiter. So ging es nicht
voran. Ein neuer, abstruser Plan musste her. Ich zog
also hektisch meine Regenjacke an, lief hinaus in
das schlechte Wetter, sprang in den nächsten Bus,
von dort in einen Zug, von diesem in ein Flugzeug
und eh ich mich versah, landete ich in Cardiff,
Wales und merkte das ich daheim nicht mal mehr meine
Haustür zugemacht hatte. Geschweige denn den Herd
ausgestellt. Egal, dachte ich mir – ich werde im
Schafstall schlafen, bei Annes Schaf oder
andersherum.
Ich lief ein wenig in
der Stadt umher bis sich eine günstige Gelegenheit
ergab und ich ein kleines rotes Auto stehlen konnte.
Mit diesem fuhr ich gemütlich auf immer kleiner
werdenden Straßen in immer grünere Landschaft und
durch Ortschaften die immer mehr L`s hintereinander
im Namen hatten. Irgendwann jedoch hatte ich keine
Lust mehr und stieg mitten in phantasievollen Wiesen
aus während das Benzin alle war. Ich vergrub das
kleine rote Auto bei einem kleinen Weiher um die
Beweise gegen mich zu verstecken.
Ich atmete ein wenig.
Es roch sehr gut. Nach Meer, und frisch gemähtem
Gras, und Regen und nassem Hund. ...Nassem Hund?
Igitt! Das riecht doch nicht gut! Wer riecht hier
nach nassem Hund? Ich öffnete die Augen und begann
mich leise und gründlich umzusehen. Dabei ließ ich
auch, allen Gefahren zum Trotz, meine Nase
mitmachen. Nichts zu entdecken. Da tippte mir
plötzlich jemand auf die Schulter. Ich erschrak...!
Jemand sagte hinter mir...: „Entschuldigung, ich
störe nur ungern, aber fahren sie zufällig in den
Süden?“ Ich drehte mich langsam um... „Wer... wer
bist du...?“ stammelte ich. „Meine Name ist Schaf.
Nasses Schaf“, sagte das Schaf und nahm die
Sonnenbrille ab.
Nach kurzer Zeit waren
die Modalitäten geklärt – ich nahm das Schaf mit in
den Süden, denn ich hatte ihm erklärt, dort gäbe es
eine wunderbare kleine Wohnung in der es leben
könnte. Natürlich verriet ich ihm nicht, das es ein
Geschenk war. Und der lieben Anne verriet ich
natürlich nicht, das es kein Geschenk war. Aber das
Schaf war glücklich und freundete sich mit Anne an,
und auch Anne war glücklich, denn sie hatte ein
Schaf. Und ich, ich war auch glücklich, denn
eigentlich hatte ich nichts gemacht, aber die beiden
dachten ich sei ein toller Hecht. Ich weiß zwar
nicht wirklich ob ich toller als die anderen Hechte
bin, aber die Karpfen, die haben noch immer Angst
vor mir. Das dachte ich mir, und machte einen
kleinen Freudensprung.
|
|