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Man vergisst gerne das
Hunde eigentlich ja schon ganz normale Tiere sind.
Also nicht etwa lediglich menschliche Anhängsel oder
Spielzeuge. Der Mensch ist glücklich, wenn sein Hund
sich freut ihn zu sehen, wenn er ihm beim
Spazierengehen Gesellschaft leistet oder auch ein
Stöckchen holt. Dem Hund selbst ist auf der anderen
Seite ziemlich oft langweilig. Es ist ja nun nicht
so, als würde der Hund sich freuen endlich die
Playstation oder auch nur den Fernseher für sich
allein zu haben wenn der Mensch das Haus verlässt um
zu arbeiten oder zu feiern oder ins Theater zu
gehen. Schon aufgrund seiner Pfoten hat er ja
außerdem Probleme mit der Fernbedienung. Wenn
Herrchen und Frauchen jedoch daheim sind, bieten
sich dem Köter oft sehr komische und vor allem
kurzweilige Schauspiele. Dann freut sich der Hund,
und der Mensch wundert sich. Oder ärgert sich. Oder
beides.
Fred, der kleine Jack
Russel Terrier hatte es sich am heutigen Abend schon
gemütlich gemacht, sich einen schönen Platz im
Schlafzimmer gebucht und sich ein kühles Döschen
nasses Hundebier bereit gestellt. Heute würde es
sicher eine schöne Vorstellung geben. Denn Frauchen
und Herrchen hatten vor ein rauschendes Fest zu
besuchen – und Fred wußte, was Frauchen nicht wußte
war, „was ziehe ich bloß heute abend an...?!?!?!“
Vorhang 17:30:
„Schatz, nur noch mal
so – um acht wollten wir da sein, nicht?“ – „Jaja,
ich weiß. Du willst doch nicht jetzt schon drängeln,
oder...?!?“. Fred holte langsam sein
Operettenfernglas aus der Tasche denn er spürte,
heute würde es besonders unterhaltsam und lustig
werden.
Die Dame die sein
Frauchen war, ging indes langsamen Schrittes ins Bad
und ward die nächsten anderthalb Stunden nicht mehr
gesehen. Der Mann, welcher sein Herrchen war, legte
sich derweil in voller, schwarzer, gediegener
Ausgehmontur unter nervösen Zuckungen aufs Bett und
sah fern. Dieses fernsehen durfte ohne Untertreibung
hektisch und unübersichtlich genannt werden. Denn
wie fast immer kam nur Unsinn im TV, Smalltalk und
Mittelmaß. Zum Glück kam noch nicht Beckmann. Oder
Kerner. Kerner würde sein Untergang sein, und nicht
unbedingt nur wegen der Tatsache, das dessen Sendung
erst um 23.00 Uhr begann und er um diese Zeit der
angepeilten Veranstaltung eigentlich schon wieder
entflohen sein wollte. Der Mann schaltete 20
Programme in der Minute.
Derweil im Bad.
Es war ein schönes
Bad. Es gibt so viele Dinge, die man dort
unternehmen kann. Männern bleiben sie jedoch zumeist
verschlossen was dazu führt das sie oft schlecht
riechen, alberne Frisuren haben und an den falschen
Stellen Haare. Männer sind im Bad dermaßen
einfallslos, das sie ohne Probleme alle Türen
sperrangelweit offenlassen können, da ihr Besuch
dort mehr ein schnelles Vorübergehen ist. Die Frau
schloß die Tür und nutzte die Schönheit des Bades
nach allen Regeln der Kunst. Sie nagelte und feilte,
rasierte und wusch, sie putzte und spülte und kämmte
und hegte und pflegte. So etwas dauert und es darf
durchaus die Frage gestellt werden ob für derartige
Generalüberholungen von den Damen immer der richtige
Augenblick gewählt wird.
Aber die
Abgeschiedenheit des Bades lädt zu vielerlei
Besinnung und Ruhe ein. Die Frau ließ den Tag
nochmal Revue passieren und sie überlegte auch, wie
der Abend wohl werden würde. Ob Petra wohl auch da
sein würde? Die dumme Sau! Und diese schreckliche
Lache! Und die Frau wienerte und putze sich noch
gründlicher auf das sie alle häßlichen und gemeinen
Frauenzimmer schon durch ihren Anblick vom Felde
schlagen würde! Und schon waren die 27 verschiedenen
Cremes an der Reihe. Eins!
Nächster Akt 19.00:
Die Tür öffnete sich.
Und eine unverschämt glänzende, saubere Frau
erschien. Sie schritt mit überraschend eiligem Fuß
zum begehbaren Kleiderschrank und machte schnell
deutlich, das sie nicht die geringste Vorstellung
davon hatte, was sie genau dort suchte. Die vier
Meter von der Badezimmertür bis zu ihrem
Kleiderschrank hatten ihre Kostümidee auf eine
tragische Weise jäh erst ins Wanken und dann zum
Einstürzen gebracht. Ein erster vorschneller, mehr
oder weniger verzweifelter , Anzieh- bzw.,
Aussuch-versuch scheiterte kläglich. Das kleine
Schwarze war nicht nur zu klein, es war auch schwarz
wie ihr nervöser Mann und schließlich war es keine
Beerdigung zu der sie gingen. Schwarz fiel flach.
Und damit große Teile ihres Arsenals.
Der Mann auf dem Bett:
Etwa zeitgleich
bildeten sich kleine Schweisstropfen auf der Stirn
des Mannes. Die Zeit verrann, die Frau war nackt und
das Fernsehprogramm trug weiterhin nicht zur
Beruhigung der Nerven bei. Im Gegenteil. Während die
Tagesthemen immer alberner wurden, oder waren es die
RTL2 News, wanderte der Blick des Mannes langsam zur
persönlichen Minibar. Vielleicht würde ein kleiner
Averna die Nerven beruhigen. Diese Idee erschien
verlockender von Minute zu Minute. Ich werde einen
kleinen Averna trinken und versuchen einen Film zu
schauen. Ich werde mir die Ruhe einfach erzwingen,
dachte der Mann. Es wird gut, wir werden
einigermaßen pünktlich kommen, so genau muß man das
ja nun wahrlich nicht nehmen. Alles wird gut. Hatte
er das gedacht oder war es doch die Nina Ruge die
gesprochen hatte? „Alles wird gut“ – nach der Maske.
Davor... Naja.... Wer es glaubt. Dem Mann lief es
kalt den Rücken herunter. Und er hatte doch noch gar
nichts getrunken! Nur daran gedacht!
Auf der anderen Seite
des Raumes hatte die Frau etwas tolles gefunden und
begann sich hektisch anzuziehen. Doch bei den
Strumpfhaltern stockte sie... Zögernd, von ihrem
eigenen Anblick anscheinend irritiert verharrte sie
ein paar Sekunden, trippelte dann ein wenig und
verweigerte dann die weitere Anprobe. Genau so
schnell nd hektisch wie es gekommen war verschwand
die Andeutung eines Outfits auch wieder.
19.15
Der Mann hatte
inzwischen heimlich ein kleines Glas gefüllt und
nippte wiederholt wie beiläufig daran während er
versuchte sich auf den „Herrn der Ringe“ zu
konzentrieren. Nicht das er diese Stelle nicht schon
einmal gesehen hatte. Fernsehen auf Premiere
zeichnet sich dadurch aus, das man, egal wann man
den Fernseher einschaltet, immer denselben Film an
immer derselben Stelle sieht. Allerdings schaut man
ja auch immer um 12.12 Uhr auf die Digitaluhr, oder
um 5.55, oder um 22.22 Uhr. Ein nervöser Seitenblick
zur Frau.
Die Frau, jetzt wieder
oder immer noch unbekleidet, fragte wie beiläufig
„Sag mal, was soll ich denn heute anziehen?“. Der
Mann wußte das niemand anders immer Zimmer war,
dennoch hatte er nicht unbedingt das Gefühl das die
Frage an ihn gestellt war. „Äh, wie wärs denn mit
dem schwarzen....“ „Jaja, Quatsch, das doch nicht!
Oder gehen wir auf eine Beerdigung? Ach weißte was,
vergiß es einfach!“ Und die Frau wendete sich
entgeistert ab und wühlte weiter im Kleiderschrank.
Der Mann, von
derartigen Worten immer wieder aus der Fassung zu
bringen, als hätte er diese Seite seines Weibes noch
nie erlebt, beruhigte seine Nerven mit einem
deutlich größeren Schluck Averna. Er half nicht.
Nicht wirklich. Ein zweiter? Mehr, mehr!
Die Frau indes
probierte mit prüfendem Blick eine sehr langweilige
graue Leinenhose an, welche ihr Hinterteil betonte.
Man könnte auch sagen, die Hose machte einen großen
Arsch. Sie drehte sich vor dem Spiegel hin und her,
zupfte hier und da und runzelte die Stirn. „Wie ist
die?“ Eine weitere Frage achtlos und ohne Ziel in
den Raum gestellt. „Ich mag deinen Hintern“, meinte
der Mann beiläufig. „Mir gefällt die Hose.“ Der
eindeutige kausale Zusammenhang zwischen gefallen
der Hose und dem Hintern löste bei der Frau in
diesem Fall etwas überraschend ein
Zornesfaltengewitter aus und der Mann sagte lieber
nichts mehr. Er konzentrierte sich schnell wieder
auf den überschätzten Film den er schon tausendmal
gesehen hatte, jedenfalls genau diese Stelle,
während die Frau mit weiterhin schlechtem Laune
Gesicht die graue Arschhose hektisch wieder auszog.
Der Mann beschloß, das
es heute abend wohl nichts mehr werden würde, mit
dem Ausgehen sowie der Laune und ergab sich gewohnt
fatalistisch seinem Schicksal.
19.30
Drei mehr oder weniger
achtlos geleerte Gläser Averna später machte sich
eine gewisse weitere Entspannung im Gesicht des
Mannes breit. Das hatte natürlich nichts mit
irgendwelchen Ankleidefortschritten seiner durchaus
auch nackt hübsch anzusehenden Frau zu tun. Der
Alkohol hatte gar seine Zunge wieder etwas mutiger
gemacht und er traute sich, nach einem Seitenblick,
„Geh doch so, mir gefällts“, zu murmeln. Die Frau
ignorierte das und fuhr fort sich das eine oder
andere Kleidungsstück anzuschauen und gelangweilt
wieder wegzulegen. „Naja, also vielleicht könnte ich
ja mal wieder dieses hier anziehen“, sagte sie zu
sich selbst und zog einem albernen bunten Rock an,
den sie vor 20 Jahren vielleicht hätte tragen
können, oder sollen, aber der gegenwärtlich
vollkommen an der Realität vorbeiging. Ein pinkes
sportliches Oberteil und neongelbe Stiefel und das
Debakel war perfekt. Es machte der Frau sichtlich
Spaß diese Dinge anzuziehen. Diese Kombination
zauberte ein leichtes kindliches Lächeln auf ihr
Gesicht, das alsbald wieder verschwand da sie in den
Spiegel schaute. Wie kann sich jemand nur so
dermaßen von seinem tatsächlichen Alter überraschen
lassen? Tschüss Lächeln.
19.45
Der Mann, inzwischen
war es sehr gemütlich auf dem Bett geworden dank des
Avernas und des fortschreitenden Fatalismus, machte
sich weitergehende Gedanken zum Filmgeschäft. „Gott
im Himmel – guck dir das an! Der „Herr der Ringe“
ist so ein schönes Buch und aus dem Film machen sie
dann eine große bunte Schwulenoper! Was soll das
denn sein? Gay-dalf und die kleinen irischen
Schwuchteln? Der einzige Hetero in dem Film ist
dieser bärtige Mensch. Was wollen die uns denn damit
sagen? Alle Fabelwesen sind homosexuell? Wenn Frodo
mich noch 12 oder 15 mal so anschaut muß ich
brechen!“ Diese Attacke gewann die Aufmerksamkeit
der Frau, denn männliche, leicht verweichlicht
wirkende Filmstars müssen von allen weiblichen Wesen
überall und immer verteidigt werden. „Ach, dieser
Elfe, der ist doch toll.... nun übertreib doch nicht
immer so,“ sprach die Frau mit Nachdruck in den
Kleiderschrank. „Wie hieß der denn noch, dieser
Schauspieler? Der hat doch auch in „Piraten der
Südsee“ mitgespielt“. Der Mann murmelte resignativ
in sein Avernaglas „Orlando Bloom und du weißt ganz
genau wie der heißt, schließlich liest du „Brigitte“
und „Amica und all den Scheiß und ich nicht.
Trotzdem heißt der Film „Fluch der Karibik“. Gott im
Himmel!“
„Was?! Hast du was
gesagt„“ rief die Frau, „Nein“ antwortete der Mann
jetzt deutlich. Und wartete weiter darauf, das sich
Frodo und Sam endlich inmitten weichgezeichneter
Kissen finden und konsequent vollenden was seit 5
Stunden vorbereitet wird.
„Hm... wie wäre denn
das hier“, murmelte die Frau indes ihrerseits und
schlüpfte ganz unspektakulär in ihr Endkleid. Selbst
eine Frisur entstand danach beinahe wie von selbst.
20.00
Und so, plötzlich,
ohne das irgendjemand so richtig gesehen hätte wie
und wann es passiert wäre, hatte die Frau sich
komplett angezogen und sah umwerfend aus. Sie warf
noch einen letzten Blick in den Spiegel, ein wenig
nachgeschminkt und nochmal sinnlos in die Haare
gegriffen und bums!, war sie fertig. „So Schatz, ich
wäre dann so weit! Und du? Laß uns gehen, sonst
kommen wir zu spät! Schatz?“ Der Mann erwachte aus
einem kurzen Sekundenschlaf voller ganz und gar
nicht heterosexueller Träume von kleinwüchsigen
Männern und weissen Zauberern. „Ja, ja... sicher.
Äh, wo, äh.... was? Ok. Einen Moment!“ Er wühlte
sich aus den Kissen und stieg aus dem Bett. Kaum auf
den Beinen, stolperte und fiel er jedoch sehr
ungeschickt und es war kaum zu verbergen das er
inzwischen vollkommen betrunken war. „Nichts
passiert, mir gehts gut, ich sollte mich vielleicht
einen Moment ausruhen.“
Nun war die Frau an
der Reihe konsterniert zu sein. So schnell kann`s
gehen. Ihr Mann lag vor dem Bett auf dem Boden,
komplett derangiert und besoffen. Sie aber sah toll
aus! Sie warf eine dünne Decke über ihn und setzte
sich. Was tun? Sollte sie alleine gehen?
20.30
Nun, sie könnte
alleine gehen. Immer mußte er alles kaputt machen.
Sie nahm die Schlüssel, packte ihr Täschchen und
machte sich auf zur Tür.
Leider hatte Fred, der
kleine Jack Russell, sich derweil lange und
angestrengt zurückgehalten um das
Geschlechterschauspiel in ganzer Länge zu
beobachten. Aber jetzt war es vorbei und ihm fiel
ein, das er mal furchtbar dringend aufs Klo mußte.
Er stand auf und rannte zur Tür um auf sich
aufmerksam zu machen. Hechelnd und leise bellend
kratzte er an der Tür und sah sein Frauchen mit
großen Augen an.
Ihren Blick auf der
anderen Seite verzweifelt zu nennen wäre wohl eine
Untertreibung gewesen. „Na gut“, seufzte sie. „Wir
gehen schnell nochmal um den Block. Jaja, ist ja
gut. Hm... aber mit diesen Schuhen kann ich ja nicht
richtig laufen! Ich zieh mich grad mal noch anders
an.“ Und so ging sie zurück ins Schlafzimmer wo sich
ihr Mann just in diesem Moment wieder etwas
berappelt hatte und zog sich wieder aus. „Was machst
du?“ fragte der Mann. „Ach, der Hund muß raus, ich
zieh mir gerade nochmal was anderes an.“ „Also, von
mir aus könnten wir auch jetzt losgehen, auf die
Party. Nur das plötzliche Aufstehen hat mir grade
leichte Probleme bereitet.“ „Und“, fügte er leise
hinzu, „die tausend Averna vielleicht.“ Aber es ging
ihm tatsächlich nicht sooo schlecht. Er war in der
Lage zu gehen. Vielleicht schnell ein wenig Wasser
ins Gesicht.
„Ja, ja, prima. Du
dämlicher Alkoholiker! Aber erst muß der Hund raus.
Und ich muß mir schnell noch was anderes anziehen!
So kann ich ja nicht mal eben um den Block gehen!
Mit dem Kleid! Und den Schuhen!“ Die letzten Worte
nahm der Mann nicht mehr ganz wahr, denn Ohnmacht
begann ihn zu übermannen. Auch Fred stand eine
gewisse Überraschung ins Gesicht geschrieben, denn
er mußte doch mal echt dringend. Und das Menschenklo
zu benutzen kam doch erst im nächsten Semester dran!
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