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Eine, wie sich später
noch herausstellen sollte., sehr seltsame Möve
namens Klaus, blinzelte eines Morgens durch die
kleinen Ritzen ihres ausklappbaren Blattbetts und
rekapitulierte ihr gesamtes Leben, wie das alle
Möven machen wenn sie morgens in die Sonne gucken.
Nachdem sie das getan hatte, wußte sie das heute
wieder so ein verdammter Tag werden würde, denn es
stand nicht gerade rosig um ihre Umgebung. Die
Blätter waren längst fast alle irgendwohin
abgefallen wo sie nicht einfach wiederkamen und nur
um den kleinsten Ast zu finden um sich auszuruhen
nach getanem Lachen z.B.(Klaus war nämlich von Beruf
Lachmöve) bedurfte schon gewaltiger Anstrengungen.
Bäume waren eh weg und vor allem schmeckten die
verbliebenen Fische seit geraumer Zeit nach allem
nur nicht nach leckeren jungen gesunden
Hauptnahrungsmitteln. Und überhaupt, das Meer stank
bestialisch, schon auf drei Kilometer Entfernung.
Klaus war inzwischen bereits 22 Jahre alt, was enorm
ist für eine Möve seiner Art, sehr fröhlichen Art
eigentlich, wie schon erwähnt. Diesem Alter zum
Trotz tat sich Klaus sehr schwer wenn es ums Tun
ging. Zu seiner Verteidigung gegen die Anschuldigung
daß er immer noch ohne Beruf und so war konnte er
jedoch anführen das die Vogeluniversitäten für Möven
gar keinen Studiengang mehr eingerichtet hatten. Das
mochte daran liegen, eventuell, dachte die Möve, daß
es gar keine Möven mehr gab. Tatsächlich war er der
einzige verbliebene Mövenmann den es auf dieser
ganzen Welt noch gab. Nicht das er alleine war, es
herrschte sogar eine schreckliche Überbevölkerung -
Klaus mußte fast kotzen wenn er daran dachte wer für
diese verantwortlich war. Er nannte sie gern
'fliegende Ratten` oder 'schwebende Kackhaufen'- die
Tauben .... Sie hatten sich in den letzten Jahren
überall breit gemacht, kackten auf jeden
Quadratmeter dieser Erde. Klaus hatte sich auch
aufgrund dieser Begebenheit immer mehr zurückgezogen
und wohnte seither in einer kleinen Küstenregion im
nördlichen Teil der Hemisphäre.
Kleine Freuden brachten ihm momentan lediglich seine
Ausflüge zur kleine Muschelinsel weit draußen auf
dem Meer, wo für ihn die seltene Möglichkeit bestand
in einen klaren Sternenhimmel zu lachen -
vorausgesetzt es war Nacht, versteht sich. Er genoß
diese Klarheit, denn er wußte, die Tauben würden
bald auch auf die Sterne scheissen, Alles andere auf
diesem Planeten hatten sie ja bald geschafft.
Ansonsten fand Klaus sein Leben OK, er litt nie
Hunger, seine kleine Sträucherwohnung, recht nah den
Klippen, war auch nicht von schlechten Eltern und er
war auch im Besitz einiger guter Sachen. Doof war er
auch nicht gerade, sogar recht talentiert für einen
Möverich, aber weil er die einzige Möve weit und
breit war geriet auch dieses zur Nebensächlichkeit.
Sein Leben war letztendlich, realistisch betrachtet
sinnlos - aber weil er eine Lachmöve war, nahm er es
sowieso nicht ernst. Nun, aber mal ehrlich: Keine
Möven mehr, keine Mövenuniversitäten, kein
Mövenberuf, kein Mövengeld -kein ernsthaftes
Mövenleben. So war es nun mal, und Klaus die kleine
(ja er war ziemlich klein) Möve nahms gelassen. Seit
nunmehr fünfzehn Jahren hatte Klaus keine Möve mehr
gesehen, denn Möven waren auch zu dieser Zeit noch
nicht im Besitz von Spiegeln gewesen, deshalb konnte
er sich nicht einmal selbst angucken.
Manchmal im Meer, son
bißchen, aber weil das auch so wild geworden war,
fand er sich darin sehr unordentlich. Diese Möven
damals, vor fünfzehn Jahren, waren seine Eltern
gewestgewart und die warn dann auch gestorben. Weil
Klaus immer schon eine anspruchsvolle Möve
dargestellt hatte, fiel es ihm schwer die anderen
Vögel hier zu ertragen. Raben waren ihm zu düster,
Krähen zu laut, Spatzen zu nervös, Tauben die
Scheisshaufen, Zaunkönige zu arrogant und Eisvögel
waren ihm immer schon zu cool vorgekommen.
Diesen riesigen
Gedankenhaufen hatte Klaus jetzt hinter sich
gebracht und er beschloß den nun beginnenden
Vormittag so weit wie möglich zu seinen Gunsten zu
gestalten. Er besorgte sich also ein leckeres
Frühstück und die neueste Mövensportzeitung und
setzte sich auf die Terrasse. Dann, dachte sich
Klaus, besuche ich meinen Freund, Sigurd den
Sägefisch. Sigurd war sein bester Freund hatte aber
oft wenig Zeit weil viel zu sägen. Sollte Sigurd
wieder keine Zeit haben heute, würde er eben den
Himmel weiter beobachten und was erfinden. Das war
sein Hobby und dieser Tagesplan verbesserte die
Laune etwas, denn er war nicht schlecht.
Gerade war Klaus beim
Bericht Über die Auslosung zum
Mövenfussballeuropapokal angekommen, da hörte er ein
gräßliches Lachen. Und zwar ein äußerst eindeutiges
Lachen. Ihm blieb das Fischbrötchen im Halse stecken
- denn dieses Lachen war ein Mövenlachen! Vorsichtig
blickte er über den Rand seiner Sportzeitung und
fixierte einen kleinen Punkt am Strand, der deutlich
der Urheber dieses Lachen zu sein schien. Dann ging
alles sehr schnell. Klaus warf innerhalb von zwei
Sekunden die Zeitung weg, setzte seine Flugmütze
auf, putzte sich die Zähne, fönte sich die
Mövenhaare und flog los, sein lächerlichstes Lachen
lachend. Auf dem Weg zum kleinen Punkt dachte er
immer wieder: "Eine Möve Eine Möve Eine Möve
u.s.w.". Und schon war er neben der Möve, am Strand
und schrie ganz laut: "Hallo ich bin Klaus und Möve
du ja auch wie heißt du wo kommst du her du bist ja
eine Sie wie schön du bist wie gehts dir ich liebe
dich!!!!" Eine Pause entstand.
"Ich heiße t'Pal und
bin in der Tat eine Möve und was machen wir jetzt?"
- das waren die Worte die aus dem Schnabel der
wunderschönen Mövenfrau kamen. Klaus schlug sofort
viele Sachen vor und es stellte sich heraus das sie
tolle Gemeinsamkeiten hatten. Alles passte. Sie
gingen zusammen Fische fangen, erzählten sich
Mövengeschichten, lachten ihr Mövenlachen zusammen,
weinten Möventränen, ärgerten die Tauben, besuchten
Klaus' Möveninsel, schliefen im
Mövenausklappbarenblattbett, hielten sich wie Möven,
träumten wie Möven träumen-mit einem mal hatte
Klaus' Mövenleben auch wieder einen Mövensinn! Er
war so glücklich. So lebten sie ein richtiges
Mövenleben, die Zwei, zumindestens die ersten zwei
Wochen.
Dann, eines morgens
wachte Klaus auf und dachte: "Moment mal hier ist
was nicht ganz wie es sein sollte". Nach zwei
Stunden intensiven Nachdenkens, was das wohl sein
könnte merkte er es endlich - T`pal war weg. Sie lag
nicht neben Ihm. Nur ein Zettel war da auf dem
stand: "Tschüß Klaus irgendwie war’s das doch nicht
mit uns ich geh mal besser". Das einzige was Klaus,
der nun arme Möverich dazu sagen konnte war:
"Wahrscheinlich"! "Na gut, dann eben Plan B", dachte
Klaus und flog zu seiner Lieblingsinsel. Der
Sternenhimmel war klar und Klaus machte sich auf den
Weg zur Sonne. Er flog immer höher und höher bis er
schon bald die Atmosphäre unserer Erde verlassen
hatte. Der Schutzschild den Klaus entwickelt hatte
würde ihn mit 1,5 % tiger Sicherheit im Innern der
Sonne schützen. Das war einen Versuch wert, wußte
Klaus der tapfere Mövenmann.
Und wer weiß, vielleicht fliegt er noch heute oben
in der Sonne herum und blickt dann ab und zu zur
Erde runter in Gedanken flüsternd :"Wahrscheinlich".
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