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„Wer um Gottes Willen
hat sich eigentlich ausgedacht, das graue Paarhufer
immer Mehlsäcke schleppen müssen“, dachte eines
Morgens ein Esel auf dem Weg zur Mühle. Der Esel
dachte gerne mal nach, und so setzte er sich auf den
staubigen Weg, sah in den blauen Himmel und
grübelte. Der Müller jedoch, der hinten auf seinem
Rücken tobte, hielt die philosophische Ader des
Esels für reine Faulheit. Ein kleiner Junge, der am
Wegensrand stand, fühlte mit dem alten grauen
Huftier und gab ihm ein Stück Zucker. „Zucker gehört
in den Kaffee und nicht in alte Esel“, schrie der
Müller, jagte den Jungen fort, weckte den Esel mit
einem kräftigen Peitschenhieb aus seinen Tagträumen
und drohte ihm unmißverständlich mit ausgestrecktem
Finger. „Och nö“, sagte sich da der Esel, ließ sich
seine Papiere geben, verabschiedete sich höflich von
der Müllerin und machte sich auf den Weg nach
Bremen, wo er meinte als Musiker Geld verdienen zu
können. „Außerdem kann ich ja sonst immer noch zur
See fahren, bis nach Peru zu meinen Eltern“, dachte
sich der kluge Esel, weiter trabend gen Norden.
Nach einigen
Kilometern, der Esel überlegte sich gerade
praktische Anwendungen für die Relativitätstheorie,
stolperte er plötzlich über einen müden, nassen Hund
und fiel der Nase nach hin. „Aua“, dachte der Esel
und sprach „Entschuldige Hund, aber es ist völlig
inakzeptabel das du hier einfach so mitten auf der
Strasse liegst. Das ist gefährlich und sieht auch
nicht gut aus. Ein Bad würde dir guttun, du
stinkst.“ Da bekam der Hund Tränen in den Augen,
denn er war voller Selbstmitleid. „Du hast recht,
ich stinke, und bin alt und schlecht! Niemand will
mich mehr, nicht mal der komische alte Mann der mich
immer mit in den Wald genommen hat, zu seinen
Freunden den Hasen und Rehen. Ach, wenn ich doch
einfach sterben könnte!“ jaulte er. Der Esel
überlegte streng. „Nun, ich könnte noch drei bis
siebzehn Mal über dich stolpern, das sollte für
einen schmerzhaften Tod reichen. Andererseits würde
ich dich auch mit nach Bremen nehmen, zum
musizieren. Heulen kannst du ja schon ganz prima,“
sagte er dann. Der Hund ließ sich die Alternativen
zum „heulend im Dreck herumliegen“ etwas länger
durch den Kopf gehen – der qualvolle Tod war zwar
reizvoll, aber am Ende entschied er sich letztlich
frohen Mutes dazu mit dem Esel zu gehen. Und weil er
so müde war, nahm der Esel ihn sogar auf seinen
warmen, kuscheligen Rücken.
Und während sie so gen
Bremen schlenderten und übers Hunde und Eselleben
redeten, begang es zu regnen. Mitten im Regen aber,
saß die schlechtgelaunteste Katze der Welt. Sie
hatte so schlechte Laune, das man davon ausgehen
kann, Fräulein Katze war ganz alleine schuld am
Regenwetter. Esel und Hund sahen sich vielsagend an.
„Äh, was ist los?“, fragte der Esel vorsichtig in
Richtung Katze. „Verdammt noch mal, laßt mich in
Ruhe ihr Idioten – ihr könnt mich alle mal, haut ab,
verpisst euch! Tschüß! Ihr seid ja immer noch da!“
schrie sie da und schrie weiter, auch lange noch
nachdem der Hund sie recht behutsam auf den Arm
genommen hatte und sie alle zusammen weiter gingen.
Auch die Katze war dem Tod nur knapp von der Schippe
gesprungen, denn ihr Frauchen hatte sie im Weiher
ertränken wollen bevor ihr die Flucht durchs Gehölz
gelang. Wasser von oben hatte ihren Geisteszustand
danach natürlich nicht sonderlich verbessert.
Irgendwann beruhigte sie sich aber dann doch und
wurde zeitweise anschmiegsam. Sogar Musik machen
traute sie sich wohl zu – als kleines Kätzchen hatte
sie nämlich einmal Gitarre spielen gelernt. Und da
waren sie also schon drei mehr oder weniger muntere
Musikanten.
Der Erste der das
fürchterliche Schreien hörte, war erfahrungsgemäß
der Hund, dann fiel es der Katze auf, und der Esel
hörte gar nichts, weil er wieder in Gedanken
verloren in fremden Welten wandelte. Das Schreien
entpuppte sich als ein Krähen und sein Urheber war
ein Hahn. Da der Esel indisponiert war, führten
Katze und Hund die Verhandlungen über ein Engagement
in ihrer Musikantentruppe. Der Hahn war nicht leicht
zu überzeugen. „Ich habe eigentlich heute abend
schon was vor,“ meinte er. „Die Dame des Hauses hat
mich zum Essen eingeladen, es gibt Huhn, äh, Hahn.
Moment mal! Das bin ja ich! Na, da bin ich
vielleicht doch lieber bei euch dabei!“ So
überredete der Hahn sich selbst, und alle vier
eilten schnell weiter, in den Sonnenuntergang.
Es war indes schon
spät geworden und die vier Musikanten waren ziemlich
müde. In einem kleinen dunklen Wald fanden sie ein
schönes Plätzchen zum Schlafen – die Katze und der
Hahn legten sich in einen Baum, Esel und Hund
machten es sich auf dem laubigen Boden gemütlich und
alle waren recht frohen Mutes. Aber hungrig. Der
Magen des Hundes knurrte so laut, das der Hahn nicht
schlafen konnte und gerade wütend werden wollte, als
er in der Ferne ein Lichtlein brennen sah.
„Aufwachen!“ krähte er – „dahinten brennt ein Licht
– bestimmt ein Hotel! Mit warmen, weichen Betten!
Und Einzelzimmern!“. Und die Kameraden machten sich
eilig auf zur Herbege, denn der Hund stank, die
Katze hatte schlechte Laune, der Esel redete im
Schlaf und der Hahn wachte immer zu früh auf.
Einzelzimmer waren verlockend. Leider stellte sich
das Haus als eine doofe Bretterbude heraus und
mitnichten als ein fünf Sterne Hotel. „Schau doch
mal ins Fenster rein“, sagten alle zum Esel, weil er
der Größte war. „Aha,“ sprach der nach einem kurzen
Blick in die Stube. „Mit all meiner Erfahrung und
Kraft meines Wissens...“, „Komm zur Sache du
Arsch!!!!!!!!!“ schrie die Katze deren Laune immer
noch nicht besser war, „....äh... gut,“ stammelte
der Esel weiter, „wir haben hier vier finstere
Gesellen, vermutlich Räuber, die viel zu essen, zu
trinken und einen warmen Ofen haben.“ Die Tiere
wurden still und sahen sich lange an. Nach einiger
Zeit sagte der Hund leise aber bestimmt: „Nun meine
Freunde. Ich denke, dieses Häuschen wäre wohl etwas
für uns.“ Und sie machten einen tollen Plan.
Der Esel stellte sich
vor das Fenster, nachdem man ihn überzeugt hatte das
es wegen der Statik eher schlecht wäre wenn die
schlechtgelaunte Katze seinen Part übernähme, und
ließ den Hund auf seinen Rücken klettern. Die Katze
bemühte sich etwas widerwillig auf den Hund und zu
guter letzt landete der Hahn, nach mehreren
erfolglosen Versuchen, ganz oben auf dem Kopf der
lustigen Pyramide. Dann, auf ein vereinbartes
Zeichen, spielten alle vier ihr erstes
selbstkomponiertes Stück – sie sangen so laut, das
die Fenster zersprangen und die Räuber zu Tode
erschrocken das Weite suchten. Allerdings nicht ohne
das der Esel ihnen noch vorher in den Hintern
getreten, der Hund sie gebissen, die Katze sie
gekratzt und der Hahn sie geweckt hätte. Nach
getaner Arbeit setzten sich die vier Freunde dann an
den gedeckten Tisch und liessen es sich so richtig
schmecken. Es gab Schokolade für den Esel,
Jägerschnitzel für den Hund, Fisch für die Katze und
Huhn für den Hahn. Und nachdem sie den sich
wehrenden Hund gewaltsam gewaschen hatten, schliefen
sie alle in frisch gemachten Betten, in neuen
Schlafanzügen und am nächsten Morgen verkniff sich
der Hahn ausnahmsweise sogar das Wecken um fünf.
In ihrem Häuschen
lebten sie dann noch einige Jahre und übten und
spielten – und weil sie so berühmt waren, traten sie
nur für ganz viel Schokolade oder Kekse in der
Öffentlichkeit auf. Aber wenn, dann
selbstverständlich im Stadion zu Bremen, vor
tausenden von Fans. Am liebsten waren sie jedoch
daheim, in ihrem Häuschen. Denn sie waren richtig
gute Freunde geworden und der Esel schrieb Bücher,
der Hund stank nie wieder, der Hahn gründete eine
Selbsthilfegruppe und die Katze grinste den ganzen
Tag und hatte nie mehr schlechte Laune.
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