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Es war einmal ein
kleiner Putzerfisch, der hatte viel zu tun.
Putzerfische haben sowieso viel zu tun, aber dieser
kleine hier besonders. Denn er ging morgens zur
Schule und mußte immer hinterher im Putzerbetrieb
seines Vaters Haie polieren. Das war deutlich der
anstrengendste Teil seiner Tagesaufgaben, denn Haie
waren schon immer ziemlich anspruchsvoll, was ihre
Sauberkeit betrifft. Der Hai an sich strahlt gerne
vor Reinheit. So polierte der kleine Putzerfisch oft
bis tief in die Nacht Blauhaie, Makohaie,
Weißspitzenriffhaie, Grauhaie, Weiße Haie,
Zitronenhaie und Tigerhaie, bis man sich in ihnen
spiegeln konnte. Vor allem die Zitronenhaie waren
nicht zimperlich mit dem Trinkgeld und so konnte
sich der kleine, schmale Fisch über mangelndes
Kleingeld nicht beklagen.
Eines späten Abends
schwamm ein großer Teppichhai zu ihm in die
Werkstatt und wollte ausgeklopft werden. Es war aber
wirklich schon sehr spät, und der Putzerfisch wollte
eigentlich gerade zu Algenbett gehen. „Ooch, bitte,
klopf mich aus. Ich muß dringend gut aussehen, denn
gleich habe ich ein Rendevous mit der schönsten
Ammenhai Dame des Roten Meeres.“ Der kleine
Reinigungsfisch zögerte. Denn zur Schule mußte er
ausgeschlafen sein. Da wühlte der Teppichhai tief in
seinen virtuellen Hosentaschen und holte eine
kleine, funkelnde Muschel heraus. „Hier, kleiner
Putzerfisch. Die schenke ich dir wenn du mich noch
schnell schick machst!“ Soviel Überredung hatte der
Putzerfisch nichts mehr entgegenzusetzen; er
bonerte, klopfte und lackierte den Teppichhai bis er
im schönsten Glanz erstrahlte. „Vielen Dank, kleiner
Putzerfisch. Das war sehr lieb von dir.“ Und der
elegante Hai schwamm stolz in sein amoröses
Abenteuer. Der kleine Putzerfisch jedoch ging
endlich zu Bett, nicht bevor er sich noch die
Flossen gewaschen hatte. Die kleine, schöne Muschel
aber, die legte er neben sich auf den
Weichkorallennachttisch, wo sie geheimnisvoll
funkelte während der kleine Arbeiter in feuchte
Träume versank.
Der Delphinsonarwecker
beim kleinen Putzerfisch klingelte wie immer viel zu
früh. Denn er liebte es, morgens schnell nochmal
einzuschlafen. Als das Sonar aber am heutigen Morgen
seine Augenlider öffnete, kriegte er einen
Riesenschreck. Denn auf seinem schönen, rosa
Weichkorallennachttisch saß ein großer, unglaublich
geschmacklos angezogener Fisch und sah ihn
erwartungsvoll an. „Aaaahhh!“ schrie der kleine
Putzerfisch, aber weil es ja unter Wasser war hörte
man nur etwas wie „blb“, und das unterschied sich
letzlich nicht sonderlich von anderen
Riffgeräuschen, wie zum Beispiel dem „Hrp“ des
Riesenzackenbarschs, oder dem „Hm“ der
Gehirnkoralle. Deshalb fiel es auch nicht weiter
auf. Aber eines war klar, der kleine Reinigungsfisch
hatte einen großen Schrecken bekommen. Während er
sich sammelte, blieb der schlecht angezogene Fisch
dabei, ihn so anzusehen, als bekäme er noch
Wechselgeld raus. „Entschuldigung“, stammelte der
Putzerfisch, „aber wer bist du bitteschön? So einen
komischen Fisch wie dich habe ich noch nie gesehen,
und außerdem sitzt du auf meinem Delphinwecker.“
Der komische Fisch
strahlte und sprach: „So genau weiß ich auch nicht,
wer ich bin. Aber ich bin von der Art der
Wunschfische und wohne in der Funkelmuschel. Und
damit du es nur sofort weißt – du hast drei Wünsche
frei!“
Der Putzerfisch war
sichtlich genervt. Was für ein alberner Fisch. „Na
toll“, murmelte er. „Erstens glaube ich dir nicht,
und zweitens will ich gar nichts. Was sollte ich mir
schon wünschen, hier im Riff kann ich nirgendwo mit
Geld bezahlen und Steckdosen für einen Fernseher
gibt’s auch nicht.“ „Na - So geht’s aber nicht“,
erwiderte der Wunschfisch. „Gar nichts wünschen gilt
nicht, und für den Beweis könntest du ja einfach
einen Testwunsch machen.“ Der kleine Fisch
überlegte. „Na gut“, sagte er und dachte dabei an
ein Märchen, das ihm seine Mutter einst vorgelesen
hatte. „Geh zurück in deine Muschel und ich glaube
dir“. Der Putzerfisch war sehr genervt vom
Wunschfisch und er hatte auch wirklich nichts zu
wünschen, also dachte er sich diese List aus und
hoffte sie würde gelingen. Der bunte Fisch nickte
indes nur kurz und verschwand als leicht rosane
Wolke in der kleinen Muschel. „Allerhand“, dachte
der kleine Putzerfisch. Es beeindruckte ihn zwar daß
der Wunschfisch augenscheinlich wirklich eine Art
Geist war, aber in der Muschel gefiel er ihm schon
besser. Außerdem mußte der Kleine zur Schule.
Als er mittags wieder
kam, saß der Muschelgeist leider schon wieder auf
seinem Bett und sah ihn an. „Glaubst du wirklich,
solche Tricks funktionieren noch? Ich meine, Hallo?
Wir Wunschgeister lesen doch auch mal Zeitung. Ich
kann meine Muschel von innen öffnen. Und sie hat
Schiebedach. Du wirst mich nicht so schnell los.
Warum willst du mich überhaupt loswerden? Ich meine,
ich bin immerhin die drei-Wünsche Ausgabe, ich hätte
ja auch der drei-Fragen Geist, oder schlechthin der
böse Geist sein können.“ Der Muschelgeist war
durchaus etwas gekränkt. Und er war immer noch
unglaublich schlecht angezogen.
Der kleine Putzerfisch
antwortete darauf nicht. Er wußte nur, daß
Wunschmärchen immer irgendeinen Haken hatten, und
außerdem fehlte es ihm ja wirklich an nichts. Aber
der Fisch von dem man sich was wünschen konnte
folgte dem kleinen Sohn von jetzt an überall hin. Er
ging mit zur Schule, sah beim Haie polieren zu, und
auch wenn er mit seinen Eltern am Frühstückstisch
saß fehlte er nicht. Und immer wieder machte er
Vorschläge für verschiedene Wünsche, die der
Putzerfisch haben könnte, aber er wollte partout
keinen davon akzeptieren.
„Ach komm schon“, rief
der Muschelgeist dann immer. „Wie wärs denn mit
einem Anemonen-Penthouse im feinsten Viertel des
Riffs. Und dazu einen tollen
Weißkehldoktorfischweibchenharem. Ist das denn
nichts?“ „Ich bin acht“, sagte dann der kleine
Putzerfisch. „Was soll ich mit einem Harem, du
einfältiger Kaspar-Fisch?“ Manchmal, in der Schule,
flüsterte der Geist auch: „Wünsch dir doch, alles zu
wissen, wär das denn nichts?“ „Warum sollte ich
alles wissen? Wo sollte ich dann noch hingehen und
wo könnte ich hier unten meinen Doktor machen, hm?
Siehst du hier irgendwo eine Universität? Nein? Na
bitte.“
Der Wunschfisch hatte
so etwas noch nie erlebt. Dieser kleine Putzerfisch
wollte nichts haben. Er ging weiter zur Schule und
dann zur Arbeit, bis spät in die Nacht. Und er, der
Muschelgeist, ging dem Kleinen augenscheinlich nur
unglaublich auf die Nerven. Nach einigen Wochen die
er den Putzerfisch nun begleitet hatte, wurde es ihm
zu viel. „Jetzt reichts, kleiner Fisch“, sagte der
wahrscheinlich am schlechtesten angezogene Fisch der
gesamten Unterwasserwelt eines abends kurz vor dem
zu Bett, oder zur Muschel, gehen, „Sag mir endlich
warum du dir nichts wünschen willst.“ „Kannst du dir
das denn nicht denken?“, antwortete da der kleine
Wunschverweigerer. „Ich habe so viele Märchen
gelesen und immer bringt sich was wünschen gar
nichts und immer fallen alle darauf rein. Ich werde
das nicht tun. Ich werde mir niemals was wünschen,
weil diese Geschichte dann nicht gut endet.“ Der
Wunschfisch überlegte lange und gut. Dann sagte er
traurig: „Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich
kann doch nur wieder gehen wenn du dir drei Sachen
gewünscht hast. Du kennst das ja. Was soll ich denn
nun unternehmen? Schau mich doch an. Mein
Modegeschmack lässt zu wünschen übrig-,“ - „-das ist
wohl mehr ein understatement“, unterbrach ihn der
Putzerfisch, „-Na gut, er ist ein Debakel,
skandalös, aber was ich sagen will, ich habe doch
nichts zu tun ansonsten, keine Familie, keine
Freunde. Ich geistere so rum, in meiner Muschel und
muß mich verschenken lassen.“ Da hatte der kleine
Putzerfisch eine Super Idee. Und er holte tief Luft
und schrie durchs Meer:
„Ich wünsche mir das
du mein bester Freund sein kannst und das du kein
Wunschfisch mehr sein mußt und das du nicht mehr so
beschissen angezogen bist!“ Der Muschelgeist schaute
1,8 Sekunden sehr verdutzt, dann gab es einen lauten
Knall und eine kleine Rauchwolke. Der Putzerfisch
schaute sich langsam in seinem Zimmer um. Die kleine
funkelnde Muschel war weg. Aber auf seinem Bett saß
ein unwahrscheinlich gut angezogener Fisch und
schaute ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Juhu!“
sagte da der kleine Putzerfisch. Und er stellte
fest, das der Wunsch sehr gut in Erfüllung gegangen
war. Denn der Muschelgeist war zufällig eine Frau
gewesen und so lag die schönste Delphinfrau die er
je gesehen hatte auf seinem Bett und las sein
Lieblingsbuch. „Hallo“, sagte sie. „Könntest du mich
etwas polieren kleiner Fisch? Ich achte sehr auf
meine Äußeres.“ „Mit Vergnügen“ flüsterte der kleine
Arbeiter, während er anfing der Delphinfrau den
unverschämten Rücken zu kratzen.
Und so nahm die
Geschichte ein erstaunlich gutes Ende. Denn die
Delphinfrau war von jetzt an sein bester Freund und
als der Putzerfisch zwölf war heirateten die beiden
und kauften sich ein tolles Haus im Meer (wo sonst).
Denn zufälligerweise war die Delphinfrau sehr
wohlhabend und konnte Unsterblichkeit verleihen,
womit sogar die Standardwünsche sich wundersam doch
noch erfüllten. Mit dem kleinen, aber feinen
Unterschied, daß alles funktionierte. Reichtum,
ewiges Leben und Liebe störten die beiden überhaupt
nicht, wobei die Frage offen bleibt, welches der
drei Dinge die anderen beiden zusammenhielt. Noch
bis zum heutigen Tage gelten die beiden als das am
besten angezogene Paar im weiten, großen Weltmeer
und Haie polieren betreibt der kleine Putzerfisch
nur noch als Hobby. Aber am liebsten ritzt er
raffinierte Muster in sein Delphinmädchen und freut
sich dabei ganz, ganz doll.
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